Alles, was Sie über Stücklisten wissen müssen

Stückliste in Autodesk Vault auf Laptop im Arbeitszimmer

Stücklisten sind ein fundamental wichtiges Instrument in der Produktentwicklung und Fertigung. Sie dienen als strukturierte Aufstellung von Materialien, Komponenten und Baugruppen, die benötigt werden, um komplexe Maschinen und Anlagen herzustellen. Nahezu alle Abteilungen im Unternehmen – von der mechanischen und elektrischen Konstruktion über den Einkauf, bis zu Logistik und Fertigung – sind daran beteiligt. Für eine reibungslose Produktions- und Lieferkette sind Stücklisten von entscheidender Bedeutung.

In diesem Blogartikel geben wir Ihnen einen Überblick darüber, was Stücklisten sind, welche Arten von Stücklisten es gibt, wie sie erstellt und verwendet werden, und warum sie eine Schlüsselrolle in der modernen Fertigungs- und Produktentwicklungslandschaft spielen.

Was ist eine Stückliste?

Starten wir mit einer kurzen Definition: Eine Stückliste, auch bekannt als Bill of Materials (Abkürzung: BOM), ist eine Liste von Komponenten, Teilen und Materialien, die benötigt werden, um ein bestimmtes Produkt zu fertigen. Stücklisten werden im Maschinen- und Anlagenbau, im Stahl- und Metallbau und in anderen Branchen verwendet, in denen komplexe Produkte hergestellt oder zusammengebaut werden.

Eine Stückliste enthält in der Regel Informationen wie die Mengen der benötigten Materialien, die genauen Spezifikationen der Komponenten und ihre Position in der Produktstruktur. Stücklisten dienen als Grundlage für die Materialbeschaffung, die Produktionsplanung und die Überwachung der Produktionskosten.

Mann prüft Stückliste, um Bauteile zu identifizieren und selektieren

Was sind die Vorteile digitaler Stücklisten?

Digitale Stücklisten bieten zahlreiche Vorteile gegenüber traditionellen, papierbasierten Versionen. Sie ermöglichen eine effiziente Aktualisierung und Verwaltung, vereinfachen die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen und Standorten, minimieren Fehler durch automatisierte Validierung und Revisionierung, verbessern die Transparenz in der Lieferkette und beschleunigen den gesamten Produktentwicklungsprozess. Aufgrund ihrer digitalen Natur können sie nahtlos in andere Systeme integriert werden, was die Effizienz steigert und die Kosten senkt.

Viele Unternehmen sind von der Erstellung von Stücklisten in Papierform auf die Erstellung von Stücklisten in Excel umgestiegen, doch Excel-Stücklisten haben gegenüber digitalen Systemen mehrere Nachteile. Erstens sind sie anfällig für menschliche Fehler bei der manuellen Dateneingabe und -aktualisierung, was zu Inkonsistenzen und aufwändigen Nacharbeiten führen kann. Zweitens bieten sie begrenzte Möglichkeiten zur Versionierung und Revisionierung, was die Nach- und Rückverfolgbarkeit beeinträchtigt. Drittens sind sie weniger geeignet für die Zusammenarbeit und den gleichzeitigen Zugriff mehrerer Nutzerinnen und Nutzer, da sie nicht für Echtzeitaktualisierungen ausgelegt sind.

Schließlich können sie bei umfangreichen Produkten unübersichtlich werden und die Datenanalyse erschweren. Excel-Stücklisten kosten das Unternehmen zeitliche Ressourcen und verursachen unter Umständen Mehrkosten durch redundante oder fehlerhafte Auflistungen. Insgesamt sind Excel-Stücklisten nicht so robust und flexibel wie spezielle Product Data Management (PDM)-, Product Lifecycle Management (PLM)- oder Enterprise Resource Planning (ERP)-Systeme, die für die Verwaltung komplexer Stücklisten optimiert sind.

Welche Arten von Stücklisten gibt es?

Grundsätzlich können zum selben Produkt sämtliche Arten von Stücklisten existieren. Je nach Anwendungszweck und Komplexität eines Produkts wird die Art der Stückliste gewählt. Zu den wichtigsten Arten gehören die folgenden Stücklisten:

  1. Mengenstückliste: Zeigt die Materialmengen, die zur Herstellung eines Produktes benötigt werden.
  2. Strukturstückliste: Stellt die hierarchische Struktur eines Produkts dar, indem sie die Beziehungen zwischen Baugruppen, Unterbaugruppen und Einzelteilen aufzeigt.
  3. Baukastenstückliste: Basiert auf einem Standardbausatz und zeigt die verschiedenen Optionen oder Varianten, die für ein Produkt verfügbar sind.
  4. Variantenstückliste: Enthält verschiedene Versionen oder Varianten eines Produkts, die sich in Materialien, Komponenten oder Konfigurationen unterscheiden.
  5. Komplexstückliste: Enthält detaillierte Informationen über Materialien, Komponenten und Arbeitsabläufe, die zur Herstellung eines komplexen Produkts benötigt werden.
  6. Dispositionsstückliste: Dient der Materialbedarfsplanung und zeigt die benötigten Materialien und Mengen basierend auf geplanten Produktionsaufträgen oder Verkaufsprognosen.
  7. Mehrfachstückliste: Enthält Informationen über mehrere Produkte oder Baugruppen, die ähnliche Materialien oder Komponenten verwenden.
  8. Mechatronische Stückliste: Berücksichtigt neben mechanischen auch elektronische Komponenten, die für die Funktionalität des Endprodukts erforderlich sind.

Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau und in verwandten Branchen arbeiten häufig mit Strukturstücklisten, da es sich in der Regel um die Herstellung sehr umfang- und detailreicher Produkte handelt. Wenn in einem Produkt Bestandteile aus der mechanischen und elektronischen Konstruktion verbaut, werden sollen, sollte sich das Unternehmen zusätzlich mit einer mechatronischen Stückliste auseinandersetzen.

Stückliste in Autodesk Vault Professional

Stückliste in Autodesk Vault Professional

Wie sieht eine Stückliste aus?

Eine Stückliste besteht typischerweise aus mehreren Spalten, die Informationen wie Stücknummer, Bezeichnung, Beschreibung, Menge, Einheit, Material, und ggf. weitere spezifische Merkmale enthalten.

Diese Daten sind hierarchisch angeordnet, um die Beziehungen zwischen den verschiedenen Teilen eines Produkts darzustellen. Darüber hinaus beinhaltet die Stückliste oft zusätzliche Informationen wie technische Spezifikationen, Kosten oder Lieferanteninformationen, je nach den Anforderungen des Produktionsprozesses.

Wie erstelle ich eine Stückliste?

Die Erstellung einer Stückliste beginnt in der Regel mit der Identifizierung der Bauteile, Komponenten und Materialien, die für die Herstellung eines Produkts benötigt werden. Anschließend werden diese Elemente in einer strukturierten Hierarchie angeordnet, um ihre Beziehungen zueinander darzustellen.

Im Idealfall erfolgt dies mit Hilfe einer spezialisierten Software wie einem PDM/PLM- oder ERP-System. Schon bei der Implementierung des jeweiligen Systems sollte an die spätere Stücklistenausleitung gedacht und unternehmensspezifische Anforderungen umgesetzt werden. Mithilfe von Schnittstellen zwischen MCAD/ECAD-, PDM/PLM- sowie ERP-Systemen kann dieser Prozess effizienter gestaltet werden.

So werden potenzielle Fehlerquellen und manuelle Korrekturen von Anfang an vermieden. Auch ein Softwareupdate kann ein guter Anlass sein, um das Stücklistenmanagement zu optimieren.

Stücklisten spielen eine Rolle in der elektronischen Fertigung

Welche Bedeutung haben Stücklisten für die moderne Industrie?

Stücklisten spielen in der modernen Industrie eine entscheidende Rolle, indem sie eine strukturierte Basis für die Produktentwicklung und -fertigung bieten.

Bereits in der Konstruktion ermöglichen Stücklisten eine detaillierte Planung und Zusammenstellung von Bauteilen und Materialien, was die Effizienz des Entwicklungsprozesses erhöht. Die Integration von Stücklisten in CAD-Software verbessert die Genauigkeit und Geschwindigkeit in allen nachfolgenden Prozessen.

Darüber hinaus sind Stücklisten für die Materialbeschaffung, Produktionsplanung und Qualitätskontrolle unerlässlich, da sie eine klare Aufschlüsselung der benötigten Ressourcen und Arbeitsabläufe bieten. Fertigende Unternehmen profitieren außerdem von einer effizienteren Lagerhaltung, da digitale und redundanzfreie Stücklisten einen verbesserten Logistikprozess ermöglichen. Insgesamt tragen Stücklisten wesentlich zur Effizienz, Genauigkeit und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen in der heutigen Industrie bei.


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